Tag 6 - 24.10.2016

Frühstück

Heute sind einige Farmbesuche geplant, zuvor gibt es jedoch wie schon all die Tage zuvor ein köstliches Frühstück zubereitet von „Mama Linda“.
Auf den Dörfern ist es immer noch so, dass die Frauen oft ausschließlich verantwortlich sind für das Haus und die Kinder. Steht die Ernte an, ist die zusätzliche Arbeit auf der Finca natürlich selbstverständlich. Die normale „Frauenarbeit“ muss trotzdem erledigt werden. Schlafen wird somit zum absoluten Luxus. Und die Stellung der Frau wird umso erbärmlicher (aus meiner Sicht), je mehr indigenes Blut in den Adern fließt. Bildung und Gleichberechtigung sind Fremdwörter.  Die meist einzige Hoffnung - „Gott“.

In Genaros Haus verhält sich die Situation etwas anders – Florinda „Mama Linda“ kocht auch den ganzen Tag, aber sie wickelt auf dem Markt auch eigene Geschäfte ab und jeder der die beiden zusammen erlebt, wird keinen Zweifel daran haben, dass hier Zwei die Hosen anhaben.

 

Wie schon anfangs erwähnt, war auch dieses Frühstück: Tamales mit dem leckeren Hahn.

Frage und frustierende Antworten

 

Allerdings habe ich mir das Frühstück letztendlich selber mies gemacht, indem ich so naiv war, nach Neuigkeiten bzgl. Bio-Inspektoren zu fragen.

Dieses Thema bietet eigentlich immer Grund zum Durchdrehen...

Die aktuellen Informationen betreffs Inspektoren, haben bei mir einfach nur zum Kopfschütteln geführt: „Jeder Container im Hafen mit Bio-Kaffee wird von den Inspektoren im Hafen geöffnet und ein Muster genommen und dieses wird untersucht. Und gegebenenfalls wird die Ausfuhr verweigert.“ In Anbetracht der Tatsache, dass alle Ebenen in Guatemala ihre Hände aufhalten und nur weil ein Kaffee 100% gemäss der Bio-Richtlinien angebaut wird, muss das Resultat einer möglichen Untersuchung in diesem Land dies nicht bestätigen. Mit einer kleinen Zahlung kann so etwas natürlich korrigiert werden.
Daraufhin habe ich Genaro erklärt, dass das Unsinn ist: Die Container werden beim Exporteur mit einer Plombe versehen und abgesehen von seltenen Ausnahmen, die wirklich konkreter Hinweise oder sehr viel böser Absicht bedürfen, wird diese Plombe erst vom Empfänger „geknackt“.

Nachdem diese Kleinigkeit vom Tisch war, erzählte Genaro uns allerdings, dass vor 2 Jahren zwei Vertreter eines großen Zertifizierers ihm einen zusätzlichen Job angeboten haben. 100 Quetzales für die Vermittlung von konventionellem Kaffee – im Klartext heißt das Folgendes: Der damalige stellvertretende Präsident einer biozertifizierten Kooperative wurde aufgefordert, den eigenen Mitgliedern auf den Zahn zu fühlen. Diejenigen, denen der Anbau zu kostspielig oder zu arbeitsintensiv oder der Abnehmermarkt zu klein war, sollten einen Teil als "konventionell" anbauen und diesen an die beiden Herren verkaufen. Damit diese in ihrem Zweitjob diesen Kaffee an Interessenten weiterverkaufen können. Inwieweit diese Absicht noch weiter ging im Hinblick auf das nachträgliche Zertifizieren von Kaffee, der eigentlich konventionell angebaut wird, sei dahin gestellt. 

Schlimm genug, ein Mitglied einer zertifizierten Kooperative als Kojoten anzuheuern!

Für die nächsten Minuten fiel es mir jedenfalls sehr schwer, die Gesichter der Herren aus dem Kopf zu bekommen. Gerrit und ich hatten schon einmal Tee mit ihnen getrunken und sie haben schon damals jedes Vorurteil, was ich hatte, eindrucksvoll bestätigt.

Aufregen bringt leider nur wenig. Seit einem Weiterbildungskurs bei GfRS (dem Zertifizierer von Quijote) weiß ich leider, dass es so gut wie keine Kontrollmöglichkeiten gibt, die länderübergreifend sind. Dies und die Tatsache, dass das BIO-Siegel in Europa sehr stark ist, auch wenn kaum ein Endkunde sich damit wirklich näher beschäftigt, bedeutet, dass es in den Produktionsländern ein riesiges Potential für „Schwarze Schafe“ und unlautere Geschäfte gibt. Der mögliche Gewinn und die geringen Chancen auf Bestrafung sind zu großer Anreiz.

Evelio und seine Finca "la puente"

 

Eine Stunde später, nach dem Zähne putzen und Frust ablassen (das „Wie“ bleibt unerwähnt) haben Gerrit, Genaro und ich einen jungen Socio der Kooperative zu seiner Farm begleitet.

Sein Name ist Evelio Juarez. Er ist ein Verwandeter von Genaro. Evelio wird 2017 erstmalig Kaffee zu dem Blend von Quijote beisteuern können, er ist nach drei Jahren in der Umstellung dann als Bio-Produzent zugelassen. BIO ist trotz allem aktuell immer noch eine Voraussetzung für Quijote.

 

Seine Finca heißt praktischerweise „die Brücke“, logischerweise gibt es eine Brücke auf der Finca. Er baut die Kaffeevarietäten Bourbon, Catuai und Typica an. Der Boden bietet vielen Steinen und Felsen ein steiles Zuhause, dadurch wird die Arbeit erschwert und das „Säubern“ (entfernen von Unkraut und Gras) zur echten Sisyphusarbeit. Unkraut und Co. geht es mit Macheten an den Kragen und eigentlich halten diese ca. zwei Jahre, haut man aber gegen einen Stein, wird die Machete nachhaltig beschädigt. Es ist ein wahrer Balanceakt zwischen Erosionsschutz und Machbarkeit im Hinblick auf die tägliche Arbeit.

 

Einige von Evelios Pflanzen hatten als Setzlinge Probleme mit der Kaffeekrankheit Roya, mittlerweile sind die Blätter glücklicherweise wieder grün und wachsen dicht und versprechen eine gute Ernte. Die jungen Catuais (1 1/2 Jahre) sind zumeist einfach wunderschön und Bilderbuchpflanzen.

 

Natürlich haben wir uns auch die namensgebende Brücke angeschaut, sie führt über den „Orangenfluss“, Wasser bezieht die Finca jedoch aus den Bergen. Zu der Brücke gibt es natürlich auch eine Geschichte: Eine 42 jährige Frau hat sich im Beisein ihrer Tochter von der Brücke gestürzt, ist auf einen großen Felsen aufgeschlagen und wurde noch 4 km weiter Fluss herabgetrieben. Ihr Name war Magarita, passiert ist das Ganze Ende der 80iger.

Trotz der tragischen Geschichte haben wir bzw. die Herren noch ihren Spaß gehabt mit der Brücke. Ich mache vermutlich ein wirklich lustiges Gesicht, wenn jemand eine Hängebrücke zum Schaukeln bringt und mir der Angstschweiß ausbricht. Gerrit hat uns aber alle zum Lachen bekommen, mit seiner Macheten-Aktion (Siehe Fotos). Seine Reisebegleitung und Unterstützung sind echt unbezahlbar, lehrreich und oft zum Kreischen komisch.

 

Im Anschluß haben wir uns noch den kleinen Friedhof des Dorfes angesehen, meine Frage „Warum gibt es hier so viele kleine Gräber für Kinder?“ und meine Vermutung (aufgrund der mangelnden medizinischen Versorgung vor Ort) konnte Genaro leider nur bestätigen.

  

Eigentlich wollten wir Nachmittags noch zwei weitere Fincas besuchen, dies fiel jedoch sprichwörtlich ins Wasser. Auch gut – Zeit zum Reisebericht schreiben und Zeit für 40 Jahre alte mexikanische Seifenopern.

 

Ein entspannter Tagesabschluss, für einen Tag der zum Teil frustrierend und ärgerlich war.

 

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