Tag 10 01.02.2016

Wie schon die letzten zwei Jahre gehen Gerrit und ich zum Frühstücken zu Nancy Hernandez Contreras ins „Aroma Cafe“ einer echten Rarität in Marcala, denn dieses Cafe könnte genauso gut in Paris oder Hamburg sein, nur mit dem Unterschied, dass hier die Prozesse des Kaffees zu 100 % in eigener Hand liegen: Nancy und Ihr Mann haben zwei Töchter und obendrein eine eigene Kaffeefarm, eine eigene Kaffeeverarbeitungsstation, eine eigene Rösterei und wie schon gesagt ein Café.


Der Kaffee trocknet auf African-Beds nur 5 m entfernt vom Café, der Röster ist auch so weit entfernt.


Und der Kaffee der hier ausgeschenkt wird ist echt super – mein Highlight ist ein Bourbon Honey aus dem V60: Honig bis zum Abwinken, Schokolade und leichte Fruchtnote (Kirsche und Johannesbeere).

 

Da hier allerdings meine einzige Möglichkeit ist, anständigen Tee zu bekommen, habe ich nur ein, zwei Schluck bei Gerrit probiert und ansonsten meinen Lemontee mit Panela genossen.

Zu Futtern gab es für mich Bananenkuchen und Früchte.

 

Von dem Cafe hat uns Liliana (Mitglied der COMSA) abgeholt und ins Trockenbeneficio (Pergaminokaffee wird hier gedroschen, selektiert und gelagert.) gebracht.

 

Hier gibt es ein schönes Cupping-Lab – voll ausgestattet für professionelle Cuppings. Da die COMSA mittlerweile über 1200 Mitglieder hat, ist dieser Cuppingraum auch echt nötig.

Insgesamt haben wir heute zu viert: Gerrit, Liliana, ich und der Chef-Cupper der COMSA Nelson 16 Kaffees á 5 Tassen verkostet. Auf dem Tisch standen washed, honeys und natural aufbereitete Kaffees. Einige waren außergewöhnlich (über 90 Punkte), viele Mittelmaß und einzelne unter 85 Punkte. Insgesamt haben wir 2 x mit jeweils 8 Kaffees verkostet.

 

Nach jeder Runde haben wir unsere Punkte angegeben und dann festgelegt, über welche Kaffees wir detaillierter reden. Besprochen haben wir die sehr guten und die schwächsten Kaffees auf dem Tisch und die wo wir uns nicht einig waren, wie wir sie fanden (Differenz bei der Punktevergabe). Erfahrungsgemäß dauert es immer etwas bis man sich aufeinander einstimmt – Geschmack ist auf den Unterschiedlichen Breitengraden durchaus verschieden.

 

Danach sind wir zum Mittagessen gefahren und im Anschluss ging es los mit unserer ersten Farmrunde. Insgesamt gibt es aktuell 80 Farmer die bei unserem gemeinsamen natural Projekt (COMSA / Quijote) mitmachen – Ziel ist es einen Blend von einem Natural herzustellen, der als Basis für unsere Espressi-Blends langfristig unseren Brasilianer (organic Farmkaffee) ersetzen kann.

 

Erster Farmer ist Franklin – dessen Frau ist Rodolfos Schwester (Geschäftsführer der COMSA), er bereitet 10 qq Kaffeekirschen als Natural auf, 10 qq als Honey und noch einmal 10 qq als Washed.

 

Die Aufbereitung des Naturals ist recht Risikoreich, da wir wenig Säure möchten und dafür besonders Kaffees aus den niederen Anbauhöhen benötigt wird – die sind allerdings wie in vielen Gegenden besonders Roya (Kaffeerost – Kaffeekrankheit) anfällig.

Vorgabe war, nur rote Kirschen zu selektieren und dann sorgsam und langsam zu trocknen. Franklin hat sich zwei tolle Trocknungsbetten, im Schatten eines Baumes gebaut. Baudauer 3 Stunden – Kosten pro Bett 1000 Limpira (39,95 €) – bei einem monatlichem Durchschnitts-Einkommen von ca. 200,- € ist das echt viel Geld. Getrocknet hat Franklin Catuai, red und yellow Bourbon und Pache Kirschen. Der Kaffee wird ca. 17 Tage im Schatten eines großen Baumes getrocknet. Pro Tag wird der Kaffee 8 x gewendet umso eine möglichst einheitliche Fermentierung zu erreichen. Franklin nutzt von seinen 8 ha Fläche 3 für den Anbau von Kaffee, ansonsten tummelt sich noch allerhand zwei und vierbeiniges Getier hier – die Farm ist wirklich sehr schön. Höhepunkt für mich ist sein Wohnhaus, das sehr aufwendig von seiner Frau bemalt wurde und ein echtes Unikat ist. Nächste Woche Montag dürfte der Kaffee fertig getrocknet sein, dann können wir ihn noch vor Ort probieren, bin schon sehr gespannt.

 

Nach Franklin geht es weiter zu Viktor – er hat 37 Jahre als Aufzugstechniker in Tegu gearbeitet, seit 5 Jahren bewirtschaftet er die Farm seines Vaters, der gerade vor 2 Wochen verstorben ist.

Seit 3 Jahren produziert Viktor bereits Honeys (Trocknungszeit ca. 15 – 20 Tage) und in diesem Jahr versucht er sich auch am Natural. Er hat schon einiges fertig produziert und sein kleines Finca-Kaffeelager sieht sehr gut aus. Wir haben ihm sehr viele Fragen gestellt (bestimmte Fragen stellen wir immer z.B. welche Anbauhöhe, welche Varitäten, wie viel Prozent von Roja betroffen etc.), er hat sie alle sehr ausführlich beantwortet und war sehr daran interessiert, was er wie verbessern könnte. Zum Abschluss hat er uns gebeten wiederzukommen und ihn nächstes Jahr wieder zu besuchen – darauf freue ich mich jetzt schon und auf das Cupping seiner Kaffees freue ich mich auch sehr. Im Anschluss sind wir Pupusas essen gefahren – dabei fällt mir die Entscheidung immer besonders schwer, im Zweifelsfall muss ich immer je eines nehmen ;)

 

Morgen geht es dann weiter: Kaffee verkosten und Farmen.

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Unsere neuen Öffnungszeiten

sind Montag und Donnerstag

von 11:00 - 13:30 und 14:30 - 17:00 Uhr.
An diesen Tagen sind wir sicher in der Rösterei, die anderen Tage benötigen wir Ruhe für andere Dinge.

FAQ

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