Dienstag 23.01.2018 Farmbesuch, Teefabrik, Espresso-Wildlife

 

Nachdem der gestrige Tag mit meiner achtbeinigen, fleischigen Mitbewohnerin ja bereits recht aufregend begonnen hatte, sollte es heute morgen nicht minder spektakulär weitergehen. Ich nutzte das herrliche Wetter zu einem kleinen, gemeinsamen Spaziergang mit Chackochan durch seinen Obst- und Gemüsegarten. Hier gibt es wirklich nichts was nicht gibt, unter anderem auch eine ganze Batterie an unterschiedlichen Chilis. Neben einigen scharf aussehenden Sorten gedieh in einem der Töpfe auch eine auf den ersten Blick eher harmloser aussehende, dickliche Variante. Doch der Eindruck hätte täuschender nicht sein können. Als Chackochan die Frucht vorsichtig und mit den Fingerspitzen haltend aufschnitt und ich meine Nase nur in die Nähe hielt fingen meine Augen bereits an zu tränen. Kein Wunder, denn ich roch gerade an einer frischen „Bhut Jolokia“, auch als Ghost- oder King Chili bekannt. Es ist die erste Chili, bei der über eine Million Scoville-Einheiten gemessen wurden und sie war lange Zeit die schärfste Chilisorte der Welt. Eine echte Waffe, und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn ihr Handel auf Märkten ist in Kerala bei Strafe untersagt und ihr Reizstoff soll angeblich vom indischen Militär zur Herstellung von Handgranaten verwendet werden. Mahlzeit!

 

 

Ganz so scharf ist das Essen hier dann zum Glück nicht, obwohl Grace schon nicht gerade geizt was die Verwendung von Chili angeht. Nach einem wie immer tollen Frühstück ging es heute in den Süden des Einzugsgebietes von Organic Waynad nach Thaloor an der Grenze zum benachbarten Bundesstaat Tamil Nadu. Von den dort dort ansässigen Kaffeebauern sind 32 Mitglied bei Organic Wayanad. Wir besichtigten zunächst die Farm von Bauer Krishnatas. Er ist sehr engagiert, bezeichnet sich selbst als Spiritual Farmer und baut neben Kaffee vor allem Tee an. Bei einem Rundgang zeigte er uns auch seinen selbst hergestellten Bio-Dünger, der hauptsächlich aus Kuhdung seiner eigenen Rinder besteht.

 

 

Ein weiteres spannendes Projekt ist die kürzlich auf seinem Grundstück entstandene Teefabrik für die Produktion von hochwertigem Grünen Tee. Diese wird von einem Zusammenschluss von Kleinbauern aus der direkten Umgebung betrieben und soll diese auf dem Markt von großen Käufern unabhängiger machen. Die Finanzierung der Anlage läuft oder lief über den Verkauf von Anteilen. Unabhängig vom Wert oder der Anzahl der Anteile sind alle Mitglieder der Vereinigung gleichberechtigt, viele der Produzenten haben selber Anteile erworben. Organic Wayanad unterstützt die Gruppe beim Bio-Zertifizierungsprozess. Aufgrund der engen Zusammenarbeit und des Vorbildcharakters hinsichtlich guter Preise und Bio-Anbau werden nun wiederum auch andere Kaffeebauern in der Gegend auf Organic Wayanad aufmerksam und streben dort eine Mitgliedschaft an. Die Vernetzung funktioniert hier wunderbar und somit trägt das Engagement trägt auf mehreren Ebenen und für viele Beteiligte Früchte.

 

 

 

Nach dem interessanten Ausflug in die Welt des Grünen Tees besuchten wir noch zwei weitere Kaffeebauern von Organic Wayanad. Hierbei waren wir zum ersten Mal bei einem muslimischen Bauern zu Gast, was noch einmal bestätigt, dass die Organisation religionsübergreifend tätig ist. Dort konnten wir auch einen Blick in die Farmdokumentation werfen. Im Farm Record Buch das jeder Bauer führt werden alle Informationen zur Farm dokumentiert (Größe, Skizze, Anzahl der unterschiedlichen Produkte, Anzahl der Pflanzen, Ernteerwartung, Düngung, Schulungen, Inspektionen usw). Organic Wayanad besucht jeden Farmer mindestens zweimal im Jahr, wenn es Probleme oder Unregelmäßigkeiten gibt auch öfter.

 

 

 

Bei einem der Bauern bekamen wir neben leckeren Keksen und Bananenchips auch eine frisch vom Baum geerntete, süß-sauer schmeckende Pampelmusenfrucht gereicht, deren Inneres optisch entfernt an Feuerquallen erinnerte. Eingelegt in scharfer Chilipaste allerdings eine echte Geschmacksgranate.

 

 

Beim zweiten Farmer durften wir nach einem wiederum ausgiebigen Rundgang erst gehen, nachdem wir seine beiden Oldtimer der Marke Hindustan Ambassador angeguckt und ausprobiert hatten. Die in Kalkutta angesiedelte Produktion dieses gefühlt aus massivem Gusseisen bestehenden Vehikels wurde 2014 eingestellt und ist aus dem indischen Strassenbild mittlerweile fast vollständig verschwunden.

 

 

Bei einem weiteren kurzen Zwischenstopp in einem Restaurant in der Kleinstadt Sultan Bathery trafen wir einen Farmer, der neben Kaffee vor allem Bio-Granatäpfel anbaut. Dort entdeckte ich sensationellerweise meine erste in freier Wildbahn in Indien lebende Espressomaschine. Ansonsten ist die Kaffeekultur hier nicht besonders weit entwickelt und beschränkt sich hauptsächlich auf das Aufgießen des lokal erhältlichen, eher schlechten Robustas unter Zuhilfenahme von viel Zucker und Milch. Meine Erwartungshaltung an den von mir bestellten Espresso war daher nicht wirklich hoch. Umso erstaunter war ich, dass der gereichte Shot durchaus trinkbar war und bei weitem besser schmeckte als viele der Getränke die einem in Deutschland so vor die Nase gesetzt werden.

 

 

 

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