Montag 22.01.2018 - Besichtigung neue Pulping Unit Vanamoolika, Trocknungszelt, Farmbesuche, Trockenverarbeitungsanlage Kalpetta


Der erste Tag nach der Anreise begann morgens gleich mit einer dicken, fetten Überraschung: Direkt über dem Kopfende meines Bettes saß eine mehr als handtellergroße Spinne. Nun leide ich zwar nicht unter Arachnophobie, aber dieser Brocken war schon etwas unheimlich. Nachdem sämtliche Versuche, sie vorsichtig aus dem Fenster zu bugsieren scheiterten, haben wir uns auf letztendlich auf Unentschieden geeinigt und bewohnen das Zimmer nun in hoffentlich friedlicher Co-Existenz.

Nach einem tollen Frühstück mit Dosa (eine Art Reisbrot in Pfannkuchenform), Kochbananen, Ei, Kokoschutney und grünen Chilis machte ich mich mit Chackochan auf den kurzen Weg über den Hügel nach Vanamoolika. Für den heutigen Tag waren mehrere Farmbesuche sowie ein Besuch bei der Trockenverarbeitungsanlage in Kalkpetta geplant.

 

Zunächst ließ ich mir von Chackochan allerdings die neue Pulping Unit zeigen, die dieses Jahr zum ersten Mal in Betrieb war und deren Anschaffung von Quijote und Elephant Beans mit finanziert wurde. Im Gegensatz zur alten Maschine kann mit der neuen Nassverarbeitungsanlage die Verarbeitungskapazität deutlich von vorher 1 Tonne Kaffeekirschen je Schicht auf jetzt bis zu 5 Tonnen Kirschen in einer halben Schicht gesteigert werden. Gleichzeitig konnte der Wasserverbrauch um 90% reduziert werden. Die neue Anlage ist also sowohl aus ökologischen als auch aus ökonomischen Gesichtspunkten deutlich effizienter. Ein weiterer extrem wichtiger Pluspunkt ist die erheblich verbesserte Verarbeitungsqualität. Letztes Jahr war ein erheblicher Teil an beschädigten Bohnen zu beklagen wohingegen die neue Maschine kaum noch Bohnen zerquetscht. Für die Arbeiter welche die Maschine bedienen bedeutet die neue Anlage zudem deutlich verbesserte Sicherheitsbedingungen, da alles verkleidet ist und Vorfälle wie im letzten Jahr, als ein gerissener Antriebsriemen unkontrolliert herumschleuderte nicht mehr vorkommen können.

 

Mit der neuen Anlage hat die Kooperative bei der Nassverarbeitung einen sehr großen Sprung nach vorne gemacht und sich für die Zukunft weiter professionell aufgestellt.

Nachholbedarf besteht allerdings bei der anschließenden Trocknung der gewaschenen Bohnen. Hier kam es - auch bedingt durch unangekündigte und daher nicht koordinierbare Anlieferungen seitens der Farmer - bei der aktuellen Ernte teilweise zu Kapazitätsengpässen. Dieser Umstand führte dazu, dass ein Teil der anglieferten Kirschen nicht im Trocknungszelt, sondern zumindst vorübergehend auf dem Dach des Kooperativengebäudes zum Trocknen ausgelegt und nachts mit atmendem Fleece abgedeckt werden mussten. Für das nächste Jahr ist daher bereits der Bau eines zweiten Trocknungszeltes und eine Verdoppelung der Kapazität geplant.

 

Nach dem Rundgang wurde ich schon von Kollege Siby erwartet. Er ist bei Organic Wayanad hauptsächlich für den direkten Kontakt mit den Farmern zuständig. Zusammen mit seinem Kollegen besucht er jeden Farmer mindestens zweimal, ,manchmal auch dreimal im Jahr, guckt sich die Felder an, bespricht die vergangene Ernte sowie die Ernteerwartungen für die kommende Saison und begleitet bei den noch nicht zertifizierten Bauern den dreijährigen Bio-Zertifizierungsprozess. Außerdem führt er verschiedene Trainings durch und ist persönlicher Ansprechpartner für alle sonstigen Fragen und Sorgen der Bauern.

 

Wir besichtigten bis zum Mittag drei Farmer in der nahegelegenen Region. Auf die Frage, ob sie mit der abgelaufenenen Ernte zufrieden gewesen sind beklagten sie vor allem eine quantitative Einbuße von fast 50% im Vergleich zum Vorjahr. Grund hierfür waren heftige Hagelschauer während der Kaffeeblüte. Dieses Wetterphänomen tritt in Wayanad anscheinend jedes Jahr auf, wobei immer eine andere Region betroffen ist. Letztes Jahr traf es die Mikroregion um Kalpetta, dieses Jahr waren die Bauern in der Gegend um Pulpally betroffen. Solche Ernetausfälle eines einzelnen Produktes können aber von fast allen Farmern kompensiert werden, da hier in Mischkultur zum Teil bis zu 20 verschiedene Produkte angebaut und geerntet werden.

Schwan und Charles Panackal
Schwan und Charles Panackal

Nach dem Lunch fuhr ich mit Siby zur Trockenverarbeitungsanlage nach Kalpetta. Der Ort liegt ca 35 Kilometer oder eine Autostunde von Vanamoolika entfernt. Dieses Mal dauerte es aber etwas länger, da in zahlreichen kleineren Ortschaften auf dem Weg öfentliche Kundgebungen und Aktionen der lokalen Ortsvereine der regierenden kommunistischen Partei stattfanden. Hammer und Sichel sind sowie schon prägende Elemente des Straßenbildes in Kerala, aber zu diesem Anlass wurden ganze Straßenzüge in rot gehüllt und mit Che Guevaras Konterfei oder Fahnen der einzelnen Organisationen geschmückt.

Die Trockenverarbeitungsanlage in Kalpetta wird von einem ebenfalls Bio-zertifizierten Dienstleister namens Vijaya Coffe betrieben. Dort werden die gewaschenen und getrockneten Bohnen einem Grading oder Screening unterzogen, d.h. sie laufen durch eine Maschine mit verschieden engmaschigen Sieben und werden nach Durchmesser sortiert. Dabei werden auch die Peaberries (Perlbohnen) herausgefiltert. Hierbei handelt es sich um Kaffeekirschen, die nur eine statt zwei Bohnen ausgebildet haben. Die Maschinen dort sind schon etwas älteren Datums, und die Betreiber von Vijaya Coffee planen eventuell den Komplettabriss und Neubau der gesamten Anlage. Diese Überlegungen gab es allerdings auch schon bei meinem Besuch im letzten Jahr. Nach dem Grading erfolgt eine manuelle Nachsortierung, um letzte noch vorhandene Bohnen minderer Qualität herauszusuchen. Für diese Arbeit soll laut Auskunft von Vijaya noch im Februar ein magisches Auge angeschafft werden, mit dem es über optische Sortierung möglich ist den Selektionsprozess um die Hälfte zu beschleunigen.

Für die Verarbeitung unseres gewaschenen Robustas wird die gesamte Anlage leer geräumt, gründlich gereinigt und parallel auch kein anderer Kaffee verarbeitet.

 

Der exportfähige Kaffee wird nach Abschluss der Arbeiten in Grain-Pro- und bedruckte Jutesäcke á 60 kg abgefüllt und zur Verschiffung zum Hafen in das knapp 10 Stunden entfernte Kochi am Indischen Ozean transportiert.