Die ersten Tage (27. bis 30. März 2017)

Die Tage vergehen wie im Flug. Da ich dieses Mal wieder alleine hier unterwegs bin, stehen die Reiseberichte leider etwas hinten an: Quijote-ToDos, die Qualitätskontrolle vor Ort und Gespräche mit Farmern haben für mich oberste Priorität.

 

Insgesamt sind dieses Erntejahr 186 Produzenten bei unserem gemeinsamen Projekt mit der COMSA an der Aufbereitung von Honeys und Naturals beteiligt.

 

150 Secadoras (Trockenbetten) wurden letzten Winter in kürzester Zeit von den Socios der COMSA gebaut, die Kosten für einen Secadora belaufen sich „mas o menos“ [Floskel: „mehr oder weniger“ - gilt für alle möglichen Lebenslagen ;)] auf 15.000 Lempira (Weitaus mehr als der monatliche Durchschnittslohn gut geschulter, angestellter Leute im Kaffeesektor hier), mit dem aktuellen Tageskurs bedeutet das mal eben 597,- € die zu Buche schlagen.

 

In Anbetracht der Tatsache, dass diese Summe vor der Ernte eine erhebliche finanzielle Belastung bedeutet, gibt es auch eine organisatorische Schwierigkeit.

 

Viele der Farmer haben keine Autos bzw. nicht ganzjährig, wird es nicht unbedingt gebraucht, verleiht man es einem Freund oder Familienmitglied, damit man die Sorge um die Spritkosten los ist. Allerdings ist der logische Umkehrschluss – kein Auto, was im Hinblick auf den Materialtransport für einen Secadora ungünstig ist.

 

Besonders da es im Oktober und November recht kühl und regnerisch hier war.

 

Und doch allen Widrigkeiten zum Trotz gibt es jetzt 150 Secadoras, die Socios die keine haben, trocknen ihre Honeys oder Naturals auf dem Patio (Hinterhof) oder auf langen, stabilen Folienbahnen auf Rasen und Co..

 

 

Für viele der Produzenten ist es das erste oder zweite Jahr (Erntejahr 2016 – 60 Produzenten), dass Naturals und Honeys in Spezialitäten-Qualität produziert werden.

 

Dank der engen Zusammenarbeit mit den sehr geschulten Agronomen der COMSA sind die Resultate in der Tasse überwiegend gut und einige sind echt der Hammer.

 

Glücklicherweise gibt es für alles einem Markt, so dass auch die Kaffees die im Zuge von Anlaufschwierigkeiten  bei einem so neuen Prozess mit dem Ziel höchste Qualität zu erreichen, zufriedene Abnehmer finden.

 

Ganz einfaches Beispiel sind die für Brasilien so typischen „Rio-Kaffees“. Sie basieren auf einem kultivierte Fehler (bakterielle Verunreinigung), die seit Jahren den Türkischen und Arabischen Markt "erobern".
In einem Mokkakännchen / Ibrik zubereitet, mit Kardamom, Rosenwasser, Zimt und oder Nelken schmeckt es nach einem herzhaften Essen mit orientalischen Gewürzen einfach perfekt.

 

Pur erinnert der Kaffee allerdings stark an Iod und die Textur ist so, als würde man eine ca. 20 Jahre alte, wettergegärbte Wildlederjacke ablutschen.

 

Meine Begeisterung für diese Cuppingerfahrung hält sich in Grenzen, obwohl mir meine alte, schrumplige Wildlederjacke sehr am Herzen liegt: Zwischen Anziehen und Trinken gibt es eben doch Unterschiede.

 

Bevor ich noch weiter aushole: es gibt ein reelles Risiko bei der Produktion, schließlich handelt es sich um Fermentationsprozesse,  da bei den Naturals das komplette Fruchtfleisch mit getrocknet wird, damit die Bohnen später mit einem schweren Körper und Süße (cremige Textur) in der Tasse begeistern.

Bei den Honeys ist diese Gefahr geringer, da das Fruchtfleisch mechanisch entfernt / gepult (Pulper) wird und dadurch „nur“ eine klebrige Schicht „Mucilage“ an der Bohne verbleibt.

 

Für beide Prozesse gilt, je sorgfältiger gearbeitet wird, umso besser das Tassen-Ergebnis.

 

 

So einfach sich das vielleicht auch anhört, die größte Sorgfalt, kann die Auswirkungen der Klimaveränderung nicht ausgleichen oder kaschieren. Von daher gehört auch immer Glück dazu und das ein oder andere Stoßgebet. In Honduras mit einer Rate von fast 90 % (römisch, katholisch oder evangelisch) Anhängern einer Religion, ist die Sache mit den Gebeten geritzt.

 

Weiter mit aktuellen Geschehnissen.

 

Kurzum mein Alltag sieht im Moment so aus: 7:00 Uhr aufstehen, Frühstücken, Muster aus einem der Lagerhäuser der COMSA gemeinsam mit Liliana (Kaffee-Verkosterin) einsammeln, das Ganze dokumentieren, Muster zum Rösten im COMSA Lab abliefern, mit Farmern reden, Farmbücher (Details Aufbereitung wälzen), gemeinsam die Pflanzungen anschauen, Secadoras abfotografieren, dabei auf Schattenbäume und Co. achten, gemeinsam Kaffee trinken, Fragen beantworten, die Nachfrage für den deutschen, europäischen Markt erklären, Kaffees professionell mit den Cuppern der COMSA verkosten, Ergebnisse gemeinsam aufbereiten und diese wiederum mit den Produzenten besprechen, durchgehen – WhatsApp, Facebook und Face to Face sei dank, Rücksprache mit dem Team von Quijote halten, gemeinsam mögliche Blends besprechen, Verträge erweitern (Ja, wir brauchen mehr als gedacht – die Qualität ist so gut, dass die Nachfrage immer weiter steigt.), mit der Schiffsgesellschaft die Containeroptionen klären, Ladelisten schreiben und Abends Mails checken, und staunen wie viel „Oh, Harvey“ Quijote so kurz vor Ostern verkauft.

 

Und nicht zu vergessen, sich darüber zu freuen, dass „Hanni-unser Honighörnchen“ (Blend: Honduras Washed und Honey) so gut läuft.

 

 

 

Dazwischen, gibt es jeden Tag ein fantastisches Mittagessen auf der Fortaleza - siehe Max und die Reiseberichte Februar 2017 Honduras. die Fortaleza ist die Versuchsfarm der COMSA – für alles: Gemüse, Obst, Düngerherstellung - dafür ist die COMSA tatsächlich weltberühmt - und natürlich die Produktion von Honeys und Naturals.

 

Das Essen - alles organic, ohne Zucker und immer frisch zubereitet, jeden Tag ein kleiner Urlaub! Fotos dazu gibt es aktuell nicht, sobald ich das Essen sehe, ist mein Fokus einfach auf dem Essen.

 

Heute gab es Avocado, gemischt mit hart gekochtem Ei, Zwiebel, angemacht mit Zitrone und ein wenig Salz, gekochtem Rindfleisch (die Tiere grasen hier natürlich auch) und Reis.

 

Dazu gibt es immer frisch gemixt einen „jugo verde“ (grünen Saft) aus Sellerie, Koriander, Limette, Orange und gesüßt mit Honig.

 

 

Einer der Farmer wie Pedro Antonio Martinez sind auf Grund der Lage seiner Farm geradezu prädestiniert für die Produktion von Naturals: seine Farm liegt auf 1650m, auf einem Berg – für mich als Hamburgerin ist alles über 10m ein Berg... umgeben sind die Kaffeesträucher von riesigen Bäumen, Wasser in Topqualität gibt es in Hülle und Fülle, dank einer nahen Quelle, und dass daraus entstehende Mikroklima bringt das Beste in den 2 – 5 Jahren alten Pflanzen (hauptsächlich Bourbon, Catuai, Paca) hervor.

 

Bei der Verkostung haben uns Noten von Beeren, Tamarinde und Orange, gepaart mit Super-Cremigkeit und einer perfekt ausbalancierten, eindrucksvollen Säure und einem kraftvollen Körper absolut begeistert.

 

Pedro gehört zu den Farmern, die ein logistisches Problem haben, kein eigenes Auto und der Weg zum COMSA Beneficio ist recht weit, ca. 1 h, bei idealem Wetter in einem fetten Toyota-Geländewagen und diese Hightech-Monster sind recht selten hier.

 

Dieser Umstand und die Tatsache, dass gewaschener Kaffee am Erntetag noch verarbeitet werden muss, ist recht unpraktisch.

 

 

 

 

 

Um die Naturals muss man sich zwar auch sofort kümmern, aber die können eben auf der eigenen Farm getrocknet werden im Secadora.

 

Pedros Frau und Tochter haben sich um alles perfekt gekümmert, Pedro selber ist nur am Wochenende auf der Farm, während der Woche arbeitet er in einer öffentlichen Einrichtung.

 


Seine Frau Elba Nohemy und seine Tochter Elba Yadira haben drei Erntegänge mit den den extra dafür angestellten Pflückern gewuppt.

 

Im Dezember wurden 8 Sack aufbereitet, im Februar 17 und gerade fertig geworden sind noch 17 Sack.

 

Seine Tochter Elba Yadira, 21 Jahre alt hat täglich bis zu 10 mal die Kaffeekirschen im Secadora gewendet, abhängig von der Hitze des jeweiligen Tages. Nur so gelingt eine gleichmäßige Trocknung.

 

 

Dafür ist sie vom kleinen Ladengeschäft, was ca. 1 Minute vor einer kleinen Schule mit 32 Schülern entfernt zum Secadora liegtgelaufen, gut behütet mit einem großen Sombrero und hat die Kirschen gewendet, gewendet und gewendet und dabei geschwitzt wie wild.

 

Die Kirschen des ersten Erntegangs brauchten 30 Tage zum Trocken, der Zweite 28 und der Letzte, gerade geschaffte 23 Tage.

 

Abgesehen vom Wenden / bewegen der Kaffeekirschen müssen noch beschädigte Kirschen (potentielle Herde für Pilzbefall und Co.) und zu kleine oder zu große Kirschen einzeln heraus selektiert werden. Diese werden dann, für den heimischen Markt, weniger liebevoll getrocknet.

 

 

Yadrias Alltag war währenddessen recht arbeitsreich und Kräfte zehrend, zum einen selbstgemachtes Wassereis aus Beeren in einer kleinen Plastiktüte an Grundschüler für 1 Lempira verkaufen, zum anderen im ca. 36 °C Secadora sorgsam den Kaffee wenden, auf einer Länge von 12 m, das Ganze 2 Mal (links und rechts) und wie gesagt, das dann eben 10 mal am Tag.

 

 

Um so schöner war es für mich, ihnen zu sagen, wie begeistert wir von diesem wirklich faszinierenden Arbeitsergebnis waren.

 

 

 

Und von diesen Gesprächen / Begegnungen gibt es sehr viele hier, so sind die Tage zwar lang, heiß und staubig (es hat seit 2,5 Monaten nicht „RICHTIG“ geregnet hier), aber eben auch wunderschön.

 

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